GESTATTEN.

Rein will ich dir einschenken,
Nackt bin ich geboren,
Fein soll dich mein Sein lenken,
Ganz im Glas verloren.

GESTATTEN SCHLAWINO,

bevor du mich ausziehst, würd‘ ich mich gern noch vorstellen. Fangen wir ganz am Anfang an! Denn es lohnt sich zu wissen, wie ich zu dem köstlichen Wein wurde, der ich heute bin. 

Meine Geschichte beginnt im Wiener Speckgürtel, wo ich eine traumhafte Kindheit im Kreis meiner 129 Flaschenbrüder und -schwestern verbracht habe. Meine Eltern sind ganz schön Multi-Kulti. Nix mit sortenrein und so. Aber wen interessiert schon die Abstammung.

 

In freier Natur bin ich aufgewachsen, liebevoll umsorgt. Achtsame Pflanzenfreunde waren es, die mir jede Freiheit ließen. Umringt von saftigen Weingärten schien mir die Sonne auf den nackten Bauch, sodass ich prächtig gedeihen konnte. So bin ich halt. Unfiltriert und ungespritzt. Voller Bienen und Käfer war ich, wie’s mich g’lesen haben.

Im Laufe der Zeit bin ich dann zu einem richtigen Schlawiner geworden. Eine Tatsache, die mir meinen Namen eingebracht hat. Damals bin ich gern durch die Heurigen gezogen, hab Schabernack getrieben, und für ein paar Achterln die Hüllen fallen lassen – nackt bin einfach am besten zu genießen. Richtig oarg wild! Nach dieser anarchischen Periode musste ich erstmals ein Zeiterl ins Fass wandern. Dort hatte ich Gelegenheit zu kontemplieren und zu reifen, um letztlich Muße zu finden.

Mit innerer Ruhe und vollem Elan will ich nun in dich kommen, damit dir Freude und Genuss widerfährt! Denn ein’s versprech’ ich dir! Mich wirst Du nirgendwo sonst finden. Nichtmal annähernd.